Protektionismus – Die Antwort auf Fluchtursachen ?

Der Freihandel beeinträchtigt Entwicklungsländer in ihrem Wachstum, viele bedeutende Industrienationen wurden durch Protektionismus groß. International agierende Konzerne nutzen wirtschaftlich schwache Länder als Absatzmärkte und beeinträchtigen die Entwicklung nationaler Unternehmen. Ist also der freie Handel, die Fluchtursache ?

Immer mehr junge Menschen verlassen ihre Heimat in Afrika und machen sich auf den Weg nach Europa, eine beschwerliche und gefährliche Reise liegt vor ihnen, doch die Sehnsucht nach Arbeit und finanzieller Absicherung ist größer. Die meisten von ihnen würden gerne in ihren eigenen Ländern arbeiten und bei ihren Familien sein, doch das einzige was zu Hause an einen europäischen Lebensstandard erinnert ist auf dem Wochenmarkt zu finden. Zwiebeln aus den Niederlanden, Geflügel aus den Vereinigten Staaten und Kleidung „made in Bangladesch“ sind dort zu erwerben, doch Güter aus dem eigenen Land sind selten. Und genau hier liegt das Problem: Durch günstig importierte Waren wird „Preisdumping“ betrieben und die eigene Wirtschaft geschwächt. Und in wirtschaftlich schwachen Ländern ist die Arbeitslosigkeit gezwungenermaßen hoch. Die Folgen sind: Armut, ethnische Spannungen und religiöse Konflikte aus welchen Kriege entstehen. Diese Zustände veranlassen junge Menschen zur Flucht, auf den Kontinent wo Milch und Honig fließt, nach Europa.

Deutschland ist im Vergleich zu nahe allen afrikanischen Ländern, eine Nation in der die Wirtschaft floriert und fast jeder Arbeit hat. Hungern muss niemand, wenn man den Job verliert hilft einem der Staat mit Arbeitslosengeld, medizinisch notwendige Eingriffe und Medikamente bezahlt die staatliche Krankenkasse und Bildung ist umsonst. Für deutsche Bürgerinnen und Bürger ist es ein gegebener Zustand, doch weltweit gesehen können nur wenige Staaten mit Deutschland mithalten. Doch warum sind Deutschland und die westliche Welt, so gesegnet mit Arbeit und Wohlstand ?

Die Antwort liegt in der Geschichte. Von Beginn der Industrialisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, verfolgten aktuell erfolgreiche Nationen wirtschaftspolitisch den Protektionismus. Ein globaler Freihandel war damals nicht möglich, da der Transport von Gütern viel zu beschwerlich und teuer war, hinzu kamen Zölle auf Importwaren die den Preis weiter in die Höhe trieben. Nur auf diese Weise konnten Großkonzerne wie Thyssen Krupp, Volkswagen und Bayer so erfolgreich werden und stetig wachsen. Sie schufen viele Arbeitsplätze und sorgten für Wohlstand in der Bevölkerung, welcher bis heute anhält. Zur selben Zeit wurde der afrikanische Kontinent ausgebeutet, Menschen versklavt und Bodenschätze außer Landes gebracht, eine Entwicklung wie in Europa war nicht möglich.

Protektionismus ist eine Form der Handelspolitik, welche inländische Anbieter vor ausländischer Konkurrenz schützt. Handelshemmnisse in Form von Zöllen, fördern nationale Unternehmen und sorgen für stabile Preise. Der Aufbau neuer Industriezweige wird somit ermöglicht, da diese zu Beginn nicht unter dem Druck des Welthandels einbrechen. Durch den weltweiten Freihandel stehen nationale Landwirtschaften und Unternehmer unter enormen Druck, denn die Absatzpreise werden durch ausländische Discount-Angebote auf dem eigenen Markt herabgesetzt. Es ist nicht rentabel in viele Marktsegmente und Industriezweige zu investieren, da die realisierbaren „Gewinne“ zu niedrig ausfallen. Eine Situation, in welcher der Aufbau innländischer Unternehmungen und Industrien nur schwer realisierbar ist.
Innerhalb der EU macht Freihandel hingegen Sinn, denn in Europa sind reichlich Industriezweige vorhanden, vielmehr müssen innovative Ideen vorangebracht werden. Der freie Handel über Landesgrenzen und Ozeane hinweg fördert Innovationen, denn auf einem überlasteten Markt ist Kreativität gefragt. Auf der anderen Seite ist er nicht gleichberechtigend, denn häufig sind Großkonzerne und Industrienationen die Profiteure. Die Globalisierungskritikern Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises, mahnte auf der Woche das Klimaschutzes 2016 in Göttingen an: „Freihandel ist der Protektionismus der Mächtigen. Für deren Schutz verspielt die politische Elite das Recht politischer Regulierung, sodass gesellschaftliche Errungenschaften auf der Strecke blieben.“

China hat es durch Protektionismus geschafft von einem Entwicklungsland zu einer Industrienation aufzusteigen. Gegenwärtig baut China, als anerkannte Industrienation, auf dem afrikanischen Kontinent Getreide an, produziert Güter und bedient sich an den Rohstoffen des Kontinents. Alles für den eigenen Markt und nicht mit afrikanischen Arbeitskräften, sondern mit chinesischen welche eingeflogen und in sporadischen Unterkünften untergebracht werden. Im Gegenzug erhalten die afrikanischen „Partner“ einen Ausbau ihrer Infrastruktur, welcher ebenfalls von chinesischen Arbeitern vorangetrieben wird. Auf diesem Wege wird sich der „Patient Afrika“ niemals erholen. Die Jugend wird weiterhin Richtung Norden abwandern und die Zukunft des Kontinents ungewiss bleiben.

Nach Jahrhunderten der Ausbeutung, Bürgerkriegen, Korruptionen und Misswirtschaft ist es mehr als verständlich das viele Afrikaner nach Europa abwandern. Dort treffen ihre hoffnungsvollen Erwartungen dann auf die Realität. Ein Bett im Flüchtlingsheim, Anfeindungen der ansässigen Bevölkerung und gerade genügend Geld um zu überleben. Die Aussicht auf Arbeit ist auch hier nicht gegeben und das Heimweh veranlasst viele ernüchtert zurückzukehren. Wer bleibt, wird aufgrund der Aussichtslosigkeit oft kriminell, betäubt sich mit Rauschmitteln oder tut beides. Erst in der dritten Generation besteht die Chance, ein normales westeuropäisches Leben zu führen. Den gerade am Anfang ist die Sprachbarriere oftmals ein Ausschlusskriterium bei der Jobsuche.

Nicht nur Europa, China und Nordamerika sollten eine Chance auf Wachstum durch Protektionismus erhalten, auch die afrikanischen Länder benötigen diesen Schritt in ihrer Entwicklung. Ein langfristig positives Wirtschaftswachstum, ist nur durch einen nachhaltigen Aufbau der Industrie und Bildung in Entwicklungsländern zu erreichen. Lehrer, Schulen und finanzielle Starthilfen für nationale Wirtschaften braucht Afrika. Keine Waffen, Ausbeutung und Abwanderung. Es ist an der Zeit, diesem schon immer benachteiligten Kontinent und seiner Bevölkerung eine Chance zu geben! Eine Chance durch Protektionismus, gegenüber global agierenden Industrienationen und Großkonzernen, eine eigene Industrie aufzubauen.

Die westliche Welt wird den Fachkräftemangel mittelfristig nicht mit ungelernten Arbeitskräften aus Armutsregionen decken, und Afrika mit so einer hohen Abwanderung unter jungen Menschen wirtschaftlich nicht vorankommen. Nicht nur Armut ist eine Fluchtursache, sondern auch Kriege. Kriege die durch Waffenverkäufe in Krisenregionen, unter anderem von deutschen Unternehmen, befeuert werden. Fluchtbewegungen kosten Geld und Leben, dieses Geld sollte in Bildung und als Starthilfe für Jungunternehmer in Afrika investiert werden, und diese Leben sollten durch bessere Lebensumstände vor Ort gerettet werden.

The White Lion

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